Sonntag, 8. Januar 2017

Präpositionen in der Unterwasserwelt

Da ich schon auf die "Stunde mit den Präpositionen" angesprochen wurde, bekommt ihr hier einen kleinen Einblick in meinen letzten Unterrichtsbesuch in meiner Fachrichtung Sprache.

Im Rahmen der Einführung des Buchstabens <W,w> in meiner zweiten Klasse, habe ich die Kinder in eine Unterwasserwelt "entführt" 😉.

Dies sah so aus:


Bevor die Kinder das Tafelbild sehen konnten, haben die Kinder Vermutungen darüber angestellt, welche Tiere im Meer wohnen. Anschließend haben sie das Tafelbild beschrieben. Diese Situationen sind ganz wichtig, denn die Kinder benötigen auch in Grammatikstunden vielfältige Sprechanlässe! Innerhalb dieser Sprechanlässe können den Kindern Formulierungshilfen zur Verfügung gestellt werden. In meinem Fall habe ich an eine Tafelseite eine Sprechblase mit dem Satzanfang "Ich sehe ..." angebracht, so ist es auch schwachen Kindern möglich nicht nur mit einem Wort zu antworten 😉.

Vor der Tafel waren auf einem kleinen Tisch ganz viele Seesterne um eine Schatztruhe verteilt. Auf den Seesternen standen verschiedene Präpositionen, dies waren die "Orte" an denen sich die Seesterne gerne verstecken wollten.


Jeder der Kinder durfte sich einen Seestern aussuchen.

Innerhalb dieser Phase wurde eine Zielstruktur mit einer Visualisierung in den Vordergrund gerückt.
Wenn ich eine Zielstruktur einführe, präsentiere ich den Kindern einmal die Zielstruktur und danach übernehmen die Kinder die Struktur, indem sie bspw. an der Lupenstelle die entsprechende Präposition einsetzen und den Satz versprachlichen.




Ich wollte mit dieser Zielstruktur die Verbzweitstellung "Der Seestern ist in der Schatztruhe." in den Vordergrund stellen. In der Unterrichtseinheit wurde die Verbzweitstellung immer wieder aufgegriffen (z.B. "Der Fisch schwimmt im Meer.").

Würde ich an dieser Stelle den Fokus auf die Präpositionalphrase legen müssten folgende Dinge für die Lerngruppe sehr genau bedacht werden:

  • kürzeste Zielstruktur:  für Kinder ist es einfacher sich auf die Phrase mit der zu erwerbenden Zielstruktur zu beschränken, daher sollte darauf geachtet werden, dass die Kinder (in diesem Fall) keinen ganzen Satz produzieren müssen. In dem Fall wäre dies dann die Zielstruktur "in der Schatztruhe"


Natürlich wollten sich auch die anderen Tiere irgendwo verstecken - dies durften die Kinder zum Abschluss der Stunde machen. Dafür hat sich jedes Kind ein Tier des Tafelbildes genommen und die Kinder haben sich gegenseitig an die Reihe genommen, indem sie ein Kind gefragt haben "Wo ist dein Tier?" (Verbzweitstellung). Das entsprechende Kind hat mit Hilfe einer Visualisierung der Zielstruktur entsprechend geantwortet "Der Fisch ist unter der Schatztruhe." (Verbzweitstellung). Danach durfte das Kind sein Unterwassertier verstecken und ein nächstes Kind an die Reihe nehmen😊.

Aber erst haben die Kinder an Stationen zu den Präpositionen gearbeitet.

Einige Einblicke in die Stationen:






Viele Grüße, Lena (@lehrer_zauber)



Die Modellierungstechniken

Unser täglich Brot ... Modellierungstechniken - wichtige sprachheilpädagogische Maßnahmen

Für uns Förderschullehrer sind sie unerlässlich, werden täglich unzählige Male benutzt und sind selbstverständlich: die Modellierungstechniken.
Darunter versteht man sprachheilpädagogische Maßnahmen, die die Lehrkraft nutzt. Die Techniken gehen auf Dannenbauer zurück und stellen einen wesentlichen Bestandteil der Lehrersprache im Förderschwerpunkt Sprache dar.
Modellierungstechniken sind bei den unterschiedlichsten Sprachbeeinträchtigungen zu verwenden, weshalb sie für uns so wertvoll sind. Wir können zwar einen Unterrichtsinhalt so konzipieren, dass er ein bestimmtes Teilziel fördert, wie zum Beispiel die Verbzweitstellung, doch erst die Modellierungstechniken ermöglichen es uns, auf sämtliche Beeinträchtigungen, Schwierigkeiten, Äußerungen und Ziele einzugehen.
Sie können immer und überall angewendet werden und sind dann auch für das gerade sprechende Kind bewusst eingesetzt.

Modellierungstechniken können den sprachlichen Input für Kinder optimieren, den Spracherwerb anregen und korrigierend auf falsche sprachliche Äußerungen einwirken.
Daher kann in zweierlei Kategorien unterschieden werden: kindlichen Äußerungen voraussgehende Sprachmodelle, die also eine bestimmte Zielstruktur evorzieren, und kindlichen Äußerungen nachfolgende Sprachmodelle, die eine Äußerung des Kindes korrigierend aufgreifen.
Anhand der zwei Tabellen, die aus dem Buch "Bausteine sprachheilpädagogischen Unterrichts" von K. Reber und W. Schönauer-Schneider entnommen sind, lassen sich die verschiedenen Modellierungstechniken gut veranschaulichen. Sie sind hier exemplarisch auf die Ebene Grammatik bezogen.

Kindlichen Äußerungen voraussgehende Sprachmodelle:

Tabelle entnommen aus: K. Reber & W. Schönauer-Schneider: Bausteine sprachheilpädagogischen Unterrichts. 2011, S. 48


Kinderlichen Äußerungen nachfolgende Sprachmodelle:
Tabelle entnommen aus: K. Reber & W. Schönauer-Schneider: Bausteine sprachheilpädagogischen Unterrichts. 2011, S. 48


Wie bereits gesagt, sind die Modellierungstechniken für jede Sprachebene, für jedes Unterrichtsfach, sogar für freie Situationen geeignet.

Wie oft sie eingesetzt werden sollten, wird etwas kontrovers diskutiert. Von "bei jeder flaschen Äußerungen" bis zu "nur bei einem ausgewählten Förderziel" gibt es verschiedene Standpunkte.
Ich selber denke, dass es wichtig ist, auf das jeweilige Kind zu achten. Wie viel Korrektur und wie viel Input ist gut und förderlich, wann wirkt es vielleicht hemmend.
Wichtig ist auch zu beachten, wo das Kind in seiner Sprachentwicklung steht. Wenn ein Kind den Laut /k/ noch nicht bilden kann, ist es eine andere Situation, als wenn es den Laut bilden kann, nur in der Spontansprache durch einen anderen Laut ersetzt. Hier würde ich bei jeder Ersetzung konsequent mit einem korrektiven Feedback oder einer Alternativfrage reagieren. Es sollte grundsätzlich in der Zone der nächsten Entwicklung gearbeitet werden.

Ich wünsche mir, dass mehr Pädagogen solche Techniken kennen und anwenden würden. Ich erlebe es oft in den unterschiedlichsten Situationen, dass z.B. grammatikalisch falsche Äußerung einfach so stehen gelassen werden.
Jeder, der mit Kindern arbeitet, ist auch für ihre (Sprach-)Entwicklung mit verantwortlich. Wir sind alle Sprachvorbilder und haben einen großen Einfluss - diesen sollten wir wahrnehmen, positiv gestalten und nutzen :-) !

Luisa (@die_tigerklasse)




Freitag, 6. Januar 2017

Sprechanlässe im Mathematikunterricht - Methodenvorschläge

Sprechen im Mathematikunterricht? Na klar!
Sprechanlässe im Mathematikunterricht: Welche Methoden eignen sich?

Während meines Vorbereitungsdienstes musste ich eine schriftliche Arbeit schreiben, die einen Praxisnteil aufweisen sollte. Ich wollte damals gerne in meiner Lieblingsfachrichtung Sprache schreiben. Und das ganze wollte ich dann noch mit einem meiner Fächer, also Mathe oder Deutsch, verbinden. Ich hatte das Glück mit einer lieben Freundin zusammen schreiben zu können und wir wollten die Arbeit gerne nutzen, um ein bisschen dem - zum Teil bestehenden - Vorurteil oder der Vorannahme, dass Sprache primär im Deutschunterricht gefördert werden kann, entgegen wirken. Wir haben in unserer jungen Berufserfahrungszeit bereits das ein oder andere mal von Kollegen gehört, dass man die Sprachentwicklung von SchülerInnen ja vorrangig in Deutsch fördern kann und sollte und es in den anderen Fächern, wie eben auch dem Hauptfach Mathematik, schwierig ist. Unsere Arbeit haben wir daher dem Thema Sprechanlässe im Mathematikunterricht gewidmet, da wir es schade finden, wenn in Mathe so gut wie nur geschrieben wird. Im Rahmen unserer Arbeit haben wir Methoden dahingehend analysiert, wie gut sie zur Realisierung von Sprechanlässen geeignet sind.

Welche Kriterien sollte eine Methode erfüllen, um SchülerInnen mehr Anlässe zum Sprechen zu bieten?
Ein paar Kriterien möchte ich euch hier gerne vorstellen, da ich es sinnvoll finde, seinen Unterricht und die eingesetzten Methoden immer mal wieder zu reflektieren.

👉 Alle Schülerinnen und Schüler sprechen
Für einen sprachanregenden Unterricht ist es notwendig, dass sich alle Schülerinnen und Schüler verbal äußern (z. B. im Rahmen von Partner- und Gruppenarbeiten), zum Beispiel in dem sie Rechenwege vorstellen.

👉 Das Vorgehen wird verbalisiert
Sprache bietet einen Zugang zu mathematischen Inhalten. Die Methode sollte daher Raum für eine Erklärung des eigenen Vorgehens bieten: Wie habe ich gerechnet? Wie bin ich auf dieses Ergebnis gekommen? Wie habe ich dieses Viereck gezeichnet ....


👉 Wechselnde Sprechpartner
Durch einen Austausch mit verschiedenen SprechpartnerInnen können die Kinder unterschiedliche Vorgehensweisen kennenlernen und beispielsweise ihren Rechenweg verbalisieren und dabei auf den Gesprächspartner eingehen.

👉 Sprechen vor der Klasse wird ermöglicht
Ein wichtiger Teilaspekt kommunikativer Fähigkeiten ist das Sprechen vor der Klasse. Das darf auch in einem Fach wie Mathe, das vielleicht für Referate nicht so prädestiniert ist, wie Sachunterricht, nicht fehlen.

👉 Anwendung von Modellierungstechniken durch die Lehrkraft
Vor allem bei Kindern mit Aussprachestörungen und solchen mit Unterstützungsbedarf auf der morphologisch-syntaktischen Ebene ist der Einsatz von Modellierungstechniken im Unterricht unerlässlich. Daher sollte die Methode der Lehrkraft die Möglichkeit bieten, auf sprachlich nicht korrekte Äußerungen der Kinder z. B. mit einem korrektiven Feedback oder einer Alternativfrage einzugehen.

👉 Förderaspekte einzelner Sprachebenen können integriert / verwirklicht werden
Auch im Matheunterricht sollte die Fördeurng konkreter Förderziele  immer wieder angestrebt werden. Die Methode sollte dafür Raum bieten, z.B. für eine Wortschatzförderung.

👉 Möglichkeit, das Sprechen zu reflektieren
Die Methode muss Raum für regelmäßige Reflektionen über das Sprechen ermöglichen. Dazu zählen nicht nur die Einhaltung von Gesprächsregeln, sondern auch das Reflektieren einzelner Kriterien, wenn bspw. vor der Klasse gesprochen wird (z. B. in ganzen Sätzen sprechen - gerade in Mathe nicht sonderlich beliebt ;-) ).

👉 Sprecher-Hörer-Wechsel
Die Schülerinnen und Schüler sollten durch die Methode an die Einhaltung von Gesprächsregeln herangeführt bzw. in ihrer Einhaltung weiter gefördert werden.

Anhand dieser Kriterien haben wir dann unterschiedliche Methoden, die im Übrigen nicht nur im Mathematikunterricht eingesetzt werden können, analysiert:

Analyse der Methoden mit der Sozialform „Partnerarbeit“
alle SuS
sprechen
++
+
+
+
+
++
das Vorgehen wird verbalisiert

+

o
je nach Umsetzung
-
Ergebnisse im Vordergrund
-
Ergebnisse im Vordergrund

+
Leistungsstärkere helfen -schwächeren durch Erklärungen

o

-
o
je nach Partnertandem

-

o

-
fachlicher Austausch über Lerninhalt

++

+

+

+

+

+
wechselnde Sprechpartner

+

-

-

-

+

++
sprechen vor der Klasse

+

-

-

+

-

-
Schonraum für zurückhaltende SuS

-
o
je nach Partnerfindung
o
je nach Partnerfindung

-

o

-
Anwendungen der Modellierungs-techniken
-
nur bei einem Partnertandem
-
nur bei einem Partnertandem
-
nur bei einem Partnertandem
-
nur bei einem Partnertandem
-
nur bei einem Partnertandem

-
Förderaspekte einzelner Sprachebenen
je nach Aufgabenstellung/ Thema

-
je nach Aufgabenstellung/ Thema
je nach Aufgabenstellung/ Thema
je nach Aufgabenstellung/ Thema

-
Reflektion des eigenen Sprechens

-

-

-
o
möglich in der Präsentationsphase

-

-
Sprecher-Hörer-Wechsel
++
+
+
+
+
++
Selbstständigkeit
++
+
o
+
+
-

Kooperatives Partnerinterview
Lerntempoduett
Partnerarbeit
Partnerbriefing
Partnerpuzzle
Sprechmühle
 
Legende:
++ = erfüllt das Kriterium in besonderem Maße       + = erfüllt das Kriterium     o = teilweise/ zeitweise              - = erfüllt das Kriterium nicht

 Analyse der Methoden mit der Sozialform „Gruppenarbeit“
alle SuS
sprechen
++
++
++
++
+
das Vorgehen wird verbalisiert
-
Ergebnisse im Vordergrund

++

+

+
je nach Umsetzung
Leistungsstärkere helfen
-schwächeren durch Erklärungen


-


+


o


-


+
fachlicher Austausch über Lerninhalt

++

++

++

+

++
wechselnde Sprechpartner

++
+
mehrere Gruppenmitglieder vorhanden
+
mehrere Gruppenmitglieder vorhanden

++
+
mehrere Gruppenmitglieder vorhanden
sprechen vor der Klasse
+
in Kleingruppe

+


+

-

+
Schonraum für zurückhaltende SuS

+

o

-

-

+
Anwendungen der Modellierungstechiken
o
nur bei einzelnen Gruppen
o
nur bei einzelnen Gruppen und in der Präsentationsphase
o
nur bei einzelnen Gruppen und in der Präsentationsphase

-
o
in der Pair- und Share-Phase
Förderaspekte einzelner Sprachebenen
je nach Aufgabenstellung/ Thema
o
in Präsentationsphase
o
in Präsentationsphase

-
o
in Präsentationsphase
Reflektion des eigenen Sprechens

-
o
möglich in der Präsentationtsphase
o
möglich in der Präsentationsphase

-
o
möglich in der Präsentationsphase
Sprecher-Hörer-Wechsel
++
++
++
++
++
Selbstständigkeit
+
+
++
-
++

Gruppenpuzzle
Mathe/ - Rechenkonferenz
Placemat
Sprechmühle
Think-Pair-Share
 

 
Unser Resumée in der Arbeit war, dass es durchaus Methoden gibt, die zu mehr Sprechanlässen führen. Und die sind bei unterschiedlichen Themen einsetzbar: bei der Besprechung von Rechenwegen, bei Textaufgaben, bei Geometrie, ...

Also, legt los und lasst die Kinder sprechen ;-)
Viel Spaß dabei wünscht
Luisa (@die_tigerklasse)